Phänomenzugang – Familie 1 – Bereich 1 – Raum 89 – Leistungsgebundene Selbstwertregulation

1. Einstieg

Warum hängt mein Gefühl für meinen eigenen Wert davon ab, was ich leiste?

Eine Leistung kann mehr bedeuten als das Ergebnis einer Aufgabe.

Wenn etwas gelingt, kann sich nicht nur die Einschätzung der eigenen Fähigkeit verbessern. Auch die Bewertung der eigenen Person kann positiver werden. Man fühlt sich wertvoller, anerkannter oder stärker mit sich selbst im Reinen.

Umgekehrt kann ein Misserfolg weit über das konkrete Ergebnis hinausreichen.

Eine schlechte Bewertung, ein nicht erreichtes Ziel oder eine Phase geringerer Leistungsfähigkeit kann dann nicht nur bedeuten: Das ist mir nicht gelungen.

Sie kann sich anfühlen wie: Mit mir selbst stimmt dadurch etwas weniger.

Damit verändert sich die Funktion von Leistung. Sie informiert nicht mehr nur darüber, wie erfolgreich eine Handlung war oder wie gut eine bestimmte Fähigkeit ausgeprägt ist.

Sie wird zu einer Quelle für die Regulation des eigenen Wertes.

3. Erscheinungsformen

Wie kann sich das Phänomen zeigen?

Leistungsgebundene Selbstwertregulation kann überall dort auftreten, wo Ergebnisse für die eigene Person eine besondere Bewertungsfunktion erhalten.

Nach einem gelungenen Projekt kann nicht nur Zufriedenheit mit dem Ergebnis entstehen, sondern ein deutlich positiveres Gefühl gegenüber der eigenen Person.

Eine schlechte Prüfung kann nicht nur als Wissenslücke oder unzureichende Vorbereitung erlebt werden, sondern als persönliche Abwertung.

Auch im Alltag können Produktivität, körperliche Leistung, kreative Ergebnisse oder das Erreichen selbst gesetzter Ziele selbstwertbezogene Bedeutung annehmen.

Das Phänomen kann sich beispielsweise darin zeigen, dass:

  • Erfolge den eigenen Wert deutlich erhöhen,
  • Misserfolge die Selbstbewertung überproportional beeinträchtigen,
  • Phasen geringer Produktivität mit einer negativeren Bewertung der eigenen Person einhergehen,
  • Zielerreichung benötigt wird, um sich mit sich selbst zufrieden zu fühlen,
  • Leistungsmaßstäbe über ihre sachliche Funktion hinaus persönliche Bedeutung erhalten,
  • oder die Selbstbewertung stark mit aktuellen Erfolgen und Misserfolgen schwankt.

Die konkreten Leistungsbereiche können verschieden sein.

Gemeinsam ist ihnen:

Leistung reguliert nicht nur die Bewertung eines Ergebnisses, sondern wirkt auf die Bewertung der eigenen Person zurück.

5. Abgrenzung

Was ist ähnlich, aber nicht dasselbe?

Raum 88 – Selbstwertschutz durch Entwertungsvermeidung

Bei Raum 88 werden Situationen vermieden oder begrenzt, weil ihr möglicher Ausgang den eigenen Selbstwert mindern könnte.

Bei Raum 89 steht dagegen die Bindung des Selbstwertes an Leistung selbst im Mittelpunkt.

Die beiden Phänomene können aufeinander aufbauen: Wenn Leistung den eigenen Wert reguliert, kann ein möglicher Misserfolg selbstwertbedrohlich werden und Vermeidung begünstigen.

Trotzdem bleibt die Differenz:

Leistung als Selbstwertquelle ≠ Schutz vor einer möglichen Selbstwertminderung.

Raum 90 – Selbstwerterhöhung durch relative Aufwertung

Bei Raum 90 entsteht eine günstigere Selbstbewertung über eine Verbesserung oder günstige Interpretation der eigenen relativen Position.

Raum 89 benötigt dagegen keinen Vergleich mit anderen.

Eine Leistung kann selbstwertsteigernd wirken, weil ein persönlich bedeutsames Ziel erreicht wurde – unabhängig davon, wie andere abschneiden.

Raum 3 – Relative Selbstwertermittlung

Bei Raum 3 wird der eigene Wert anhand der relativen Position gegenüber anderen bestimmt.

Leistung kann dabei als Vergleichsdimension dienen.

Bei Raum 89 ist dagegen die Leistung selbst selbstwertrelevant. Ob sie besser oder schlechter als die Leistung anderer ausfällt, ist für den Phänomenkern nicht entscheidend.

Raum 140 – Selbstwertkompensation

Bei Raum 140 wird ein bereits beeinträchtigter oder bedrohter Selbstwert über eine andere Quelle positiver Selbstbewertung ausgeglichen.

Bei Raum 89 ist Leistung dagegen unmittelbar an die Selbstwertregulation gekoppelt.

Leistung muss hier also nicht erst als Reaktion auf eine vorherige Entwertung eingesetzt werden.

Kompetenzbewertung

Eine Person kann aus einer guten oder schlechten Leistung auf ihre Fähigkeit schließen.

Das betrifft zunächst die Einschätzung der eigenen Kompetenz.

Raum 89 beginnt dort, wo die Bedeutung darüber hinausgeht:

Nicht nur „Wie gut kann ich das?“, sondern die Bewertung von „Wie viel bin ich wert?“ verändert sich mit der Leistung.

Wie Orientierung innerhalb des Phänomenzugangs entsteht

Phänomenenzugang
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Familie 1 – Selbst & innere Orientierung
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Bereich 1 – Selbstbewertung & Selbstwert
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Raum 89 – Leistungsgebundene Selbstwertregulation
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Ein Verweis in ein Subtypen, sowie drei ergänzende Verweise.

7.1 Direkte Perspektivvernetzung

Eine direkte Perspektivvernetzung bedeutet, dass der betreffende Mechanismus den Phänomenkern unmittelbar aus der spezifischen Perspektive seines Systems erklärt.

CORE → Leistungsgebundene Selbstwertregulation

CORE erklärt unmittelbar, wie Leistung zu einer Referenz für den eigenen Selbstwert werden kann, sodass Erfolg und Misserfolg nicht nur das Ergebnis einer Handlung, sondern zugleich die Bewertung der eigenen Person beeinflussen.

MIRROR → Erfolgsnarrative

MIRROR erklärt ergänzend, wie gesellschaftliche Vorstellungen von Erfolg mitbestimmen können, welche Leistungen persönlich als wertrelevant erscheinen und dadurch besondere Bedeutung für die eigene Selbstbewertung erhalten.