Phänomenenzugang – Familie 1 – Bereich 1 – Raum 1 – Interne Bewertungsinstabilität

1. Einstieg

Warum verändert sich meine Einschätzung von mir selbst, obwohl sich an der Situation kaum etwas verändert hat?

Die eigene Bewertung kann sich manchmal deutlich verändern, obwohl die zugrunde liegende Situation weitgehend gleich geblieben ist. Eine Eigenschaft, eine Leistung oder eine Erfahrung kann an einem Zeitpunkt relativ positiv eingeordnet werden und kurze Zeit später deutlich negativer wirken. Dabei muss sich weder an der betreffenden Eigenschaft noch an den äußeren Bedingungen wesentlich etwas verändert haben. Das auffällige Phänomen liegt deshalb nicht einfach darin, dass Selbstbewertung grundsätzlich veränderlich ist. Entscheidend ist vielmehr:

Die Bewertung der eigenen Person schwankt stärker, als es die Veränderung der zugrunde liegenden Situation erwarten lässt.

Interne Bewertungsinstabilität beschreibt genau diesen Zusammenhang.

Auf dieser Seite: Definition · Erscheinungsformen · Differenzierung · Abgrenzung · Erklärungsoffenheit · Mechanistische Erklärung · Weiterführende Orientierung

3. Erscheinungsformen

Wie kann sich das Phänomen zeigen?

Interne Bewertungsinstabilität kann in sehr unterschiedlichen Situationen sichtbar werden. Eine Person kann mit einer eigenen Leistung zunächst zufrieden sein. Einige Zeit später bewertet sie dieselbe Leistung deutlich negativer, obwohl keine neue Information hinzugekommen ist. Auch einzelne Eigenschaften können unterschiedlich gewichtet werden. Was an einem Tag als nebensächliche Schwäche erscheint, kann später einen erheblichen Einfluss auf die Gesamtbewertung der eigenen Person bekommen. Eine kleine Irritation kann außerdem eine wesentlich größere Veränderung der Selbstbewertung begleiten, als es die Bedeutung des konkreten Ereignisses erwarten lässt.

Umgekehrt kann sich die eigene Bewertung auch wieder deutlich verbessern, ohne dass eine entsprechende äußere Veränderung eingetreten ist. Das Phänomen kann sich deshalb sowohl in negativer als auch in positiver Richtung zeigen.

Gemeinsam ist den Situationen:

Ähnliche Informationen über die eigene Person führen nicht zu einer vergleichbar stabilen Bewertung.

5. Abgrenzung

Was ist ähnlich, aber nicht dasselbe?

Mehrere andere Phänomene aus dem Bereich Selbstbewertung & Selbstwert können ebenfalls mit Veränderungen der eigenen Bewertung verbunden sein.

Die Unterschiede liegen darin, welche Referenz die Veränderung organisiert.

Externalisierung der Bewertungsinstanz

Wenn sich die eigene Person erst dann sicher einschätzen lässt, wenn andere reagieren oder Rückmeldung geben, liegt die zentrale Frage nicht mehr nur in der Instabilität.

Dann wird die äußere Reaktion selbst zur maßgeblichen Bewertungsreferenz.

→ PR-002 – Externalisierung der Bewertungsinstanz

Interne Bewertungsinstabilität beschreibt dagegen zunächst, dass die innere Bewertungsorganisation keine ausreichende Stabilität besitzt.

Relative Selbstwertermittlung

Wenn der eigene Wert systematisch davon abhängt, wie die eigene Position gegenüber anderen Personen oder Gruppen erscheint, ist der soziale Vergleich der präzisere Gegenstand.

→ PR-003 – Relative Selbstwertermittlung

Hier wird Selbstwert relativ bestimmt.

Bei PR-001 liegt die zentrale Besonderheit dagegen in der fehlenden Stabilität der eigenen Bewertungsreferenz.

Leistungsgebundene Selbstwertregulation

Wenn Erfolg, Misserfolg oder wahrgenommene Kompetenz unmittelbar bestimmen, wie wertvoll sich eine Person erlebt, steht die Leistungsbindung im Vordergrund.

→ PR-089 – Leistungsgebundene Selbstwertregulation

Auch hier kann Selbstbewertung schwanken. Entscheidend ist jedoch, dass die Veränderung an eine konkrete Selbstwertquelle gekoppelt ist.

Stimmungsabhängige Gewichtung

Auch unterschiedliche emotionale Zustände können dazu führen, dass dieselben selbstbezogenen Informationen unterschiedlich stark wirken.

Das ist jedoch nicht identisch mit interner Bewertungsinstabilität.

Stimmungsabhängige Gewichtung beschreibt eine mögliche Veränderung der Informationsgewichtung.

Interne Bewertungsinstabilität beschreibt dagegen das übergeordnete Phänomen, dass die eigene Selbstbewertung keine ausreichend stabile innere Referenz besitzt.

Beide Ebenen können miteinander verbunden sein, bleiben aber voneinander getrennt.

Wie Orientierung innerhalb des Phänomenzugangs entsteht

Phänomenenzugang
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Familie 1 – Selbst & innere Orientierung
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Bereich 1 – Selbstbewertung & Selbstwert
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Raum 1 – Interne Bewertungsinstabilität
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Ein Verweis in einen Subtyp, sowie ein ergänzender Verweis.

7.1 Direkte Perspektivvernetzung

Eine direkte Perspektivvernetzung bedeutet, dass der betreffende Mechanismus den Phänomenkern unmittelbar aus der spezifischen Perspektive seines Systems erklärt.

MIRROR → Interne Bewertungsinstabilität

MIRROR erklärt unmittelbar, wie eine instabile innere Bewertungsorganisation dazu führt, dass die Einschätzung der eigenen Person stärker mit wechselnden Situationen und Rückmeldungen schwankt.