Phänomenzugang – Familie 1 – Bereich 1 – Raum 90 – Selbstwerterhöhung durch relative Aufwertung

1. Einstieg

Warum versuche ich meine relative Position gegenüber anderen zu verbessern, damit ich mich selbst wertvoller erleben kann?

Manchmal verändert sich die Bewertung der eigenen Person nicht dadurch, dass sich die eigene Situation absolut verbessert.

Es kann bereits genügen, im Verhältnis zu anderen besser dazustehen.

Eine eigene Leistung wirkt bedeutsamer, wenn sie die Leistung anderer übertrifft. Eine Eigenschaft erscheint positiver, wenn sie im Vergleich besonders günstig ausfällt. Auch Status, Wissen, Anerkennung oder Erfolg können an selbstwertbezogener Bedeutung gewinnen, sobald daraus eine vorteilhafte relative Position entsteht.

Dabei geht es um mehr als den bloßen Vergleich.

Die relative Position wird selbst zu etwas, das verbessert, hervorgehoben oder günstig eingeordnet werden kann.

Der eigene Wert kann dadurch erhöht oder geschützt werden, dass die wahrgenommene Position gegenüber relevanten anderen günstiger ausfällt.

3. Erscheinungsformen

Wie kann sich das Phänomen zeigen?

Relative Aufwertung kann in sehr unterschiedlichen Lebensbereichen auftreten. Eine eigene Leistung kann besonders positiv erlebt werden, wenn deutlich wird, dass andere schlechter abgeschnitten haben. Eine Person kann verstärkt jene Merkmale beachten, bei denen sie gegenüber ihrem Umfeld günstig positioniert ist.

Auch die Wahl der Vergleichsreferenz kann relevant werden. Statt die eigene Situation nur absolut zu betrachten, kann gerade ein Vergleich gesucht oder hervorgehoben werden, der die eigene Position günstiger erscheinen lässt.

Das Phänomen kann sich beispielsweise darin zeigen, dass:

  • ein Erfolg besonders wertvoll erscheint, weil andere ihn nicht erreicht haben,
  • eine günstige Rangposition die Selbstbewertung erhöht,
  • Unterschiede zu anderen hervorgehoben werden, wenn sie die eigene Position verbessern,
  • Vergleichsmaßstäbe bevorzugt werden, unter denen die eigene Person günstig abschneidet,
  • die Schwäche oder schlechtere Position anderer die eigene Selbstbewertung indirekt erhöht,
  • oder eine bereits positive eigene Eigenschaft durch den Vergleich zusätzliche selbstwertbezogene Bedeutung erhält.

Gemeinsam ist diesen Erscheinungsformen:

Nicht allein der eigene Zustand ist selbstwertwirksam, sondern seine günstige Position innerhalb eines Vergleichsverhältnisses.

5. Abgrenzung

Was ist ähnlich, aber nicht dasselbe?

Raum 3 – Relative Selbstwertermittlung

Die wichtigste Abgrenzung besteht zu Raum 3 – Relative Selbstwertermittlung.

Dort wird der eigene Wert grundsätzlich über die relative Position gegenüber anderen bestimmt.

Raum 90 beschreibt dagegen eine gerichtete Regulationsbewegung: Eine günstigere relative Position erhöht oder schützt den eigenen Wert.

Damit gilt:

Raum 3: Wie stehe ich relativ zu anderen da – und was bedeutet das für meinen Wert?

Raum 90: Wie kann eine günstigere relative Position meinen Selbstwert erhöhen oder schützen?

Relative Bewertung ≠ relative Aufwertung.

Raum 89 – Leistungsgebundene Selbstwertregulation

Bei Raum 89 beeinflusst Leistung den eigenen Wert.

Raum 90 setzt dagegen eine relative Relation voraus.

Eine bessere Leistung ist hier nicht allein deshalb selbstwertwirksam, weil sie gut ist, sondern weil sie die eigene Position gegenüber einer relevanten Referenz verbessert.

Raum 88 – Selbstwertschutz durch Entwertungsvermeidung

Bei Raum 88 wird versucht, eine Situation zu vermeiden oder zu begrenzen, deren Ausgang den eigenen Wert mindern könnte.

Raum 90 arbeitet anders:

Nicht die mögliche Entwertung wird primär vermieden, sondern eine günstigere relative Position kann zur Erhöhung oder Stabilisierung des Selbstwertes beitragen.

Raum 140 – Selbstwertkompensation

Bei Raum 140 wird eine bestehende Selbstwertbeeinträchtigung über eine andere Quelle positiver Selbstbewertung ausgeglichen.

Relative Aufwertung kann zwar kompensatorisch eingesetzt werden. Das macht beide Phänomene jedoch nicht identisch.

Raum 90 bestimmt die Form der Aufwertung: Verbesserung der relativen Position.

Raum 140 bestimmt die funktionale Relation: Ausgleich einer Selbstwertbeeinträchtigung durch eine andere positive Quelle.

Wie Orientierung innerhalb des Phänomenzugangs entsteht

Phänomenenzugang
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Familie 1 – Selbst & innere Orientierung
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Bereich 1 – Selbstbewertung & Selbstwert
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Raum 90 – Selbstwerterhöhung durch relative Aufwertung
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Ein Verweis in ein Subtypen, sowie drei ergänzende Verweise.

7.1 Direkte Perspektivvernetzung

Eine direkte Perspektivvernetzung bedeutet, dass der betreffende Mechanismus den Phänomenkern unmittelbar aus der spezifischen Perspektive seines Systems erklärt.

CORE → Selbstwerterhöhung durch Aufwertung

CORE erklärt unmittelbar, warum Verhalten auf eine günstigere relative Position ausgerichtet werden kann, wenn diese dazu beiträgt, den eigenen Selbstwert zu erhöhen oder zu stabilisieren.

DECISION → Vergleichsbasierte Bewertung

DECISION erklärt ergänzend, wie Handlungsoptionen oder Ergebnisse danach bewertet werden können, ob sie die eigene Position gegenüber einer relevanten Vergleichsreferenz verbessern oder verschlechtern.