Phänomenraum – Familie 1 – Bereich 1 – Raum 91 – Zugehörigkeitsgebundene Selbstwertbildung

1. Einstieg

Warum kann es meinen eigenen Wert verändern, ob ich mich zugehörig fühle?

Zugehörigkeit kann mehr bedeuten als die Frage, ob man Teil einer Gruppe, Beziehung oder Gemeinschaft ist. Angenommen zu werden, dazuzugehören oder einen selbstverständlichen Platz in einem sozialen Zusammenhang zu haben, kann auch die Einschätzung der eigenen Person verändern.

Umgekehrt kann Ausschluss weit über den Verlust eines Kontakts hinausreichen. Nicht berücksichtigt, nicht eingeladen oder nicht als Teil eines Zusammenhangs behandelt zu werden, kann sich wie eine Aussage über die eigene Person anfühlen. Dann betrifft Zugehörigkeit nicht nur die soziale Position.

Sie erhält selbstwertbezogene Bedeutung. Das eigene Wertgefühl kann sich damit verändern, obwohl Fähigkeiten, Leistungen oder andere persönliche Merkmale unverändert geblieben sind.

Entscheidend ist vielmehr die Erfahrung:

Bin ich Teil eines für mich bedeutsamen sozialen Zusammenhangs – und was bedeutet diese Zugehörigkeit für meinen eigenen Wert?

3. Erscheinungsformen

Wie kann sich das Phänomen zeigen?

Zugehörigkeitsgebundene Selbstwertbildung kann in engen Beziehungen ebenso auftreten wie in Freundeskreisen, Gruppen, Gemeinschaften oder anderen sozialen Zusammenhängen. Die selbstverständliche Einbindung in einen Freundeskreis kann beispielsweise nicht nur soziale Nähe vermitteln, sondern die eigene Person bestätigen.

Umgekehrt kann das Gefühl, zunehmend außen zu stehen, eine negativere Selbstbewertung auslösen, obwohl keine ausdrückliche Abwertung stattgefunden hat. Auch die Aufnahme in eine persönlich bedeutsame Gemeinschaft kann den eigenen Wert erhöhen, weil Zugehörigkeit selbst als positive Aussage über die eigene Person verarbeitet wird.

Das Phänomen kann sich beispielsweise darin zeigen, dass:

  • soziale Einbindung die eigene Selbstbewertung stabilisiert,
  • Ausschluss den eigenen Wert infrage stellt,
  • die Aufnahme in eine relevante Gruppe als persönliche Bestätigung erlebt wird,
  • der Verlust von Zugehörigkeit über den sozialen Verlust hinaus selbstwertmindernd wirkt,
  • die Sicherheit des eigenen Wertes mit der Sicherheit sozialer Einbindung schwankt,
  • oder Zugehörigkeit besonders wichtig wird, wenn sie als Zeichen persönlicher Anerkennung verstanden wird.

Gemeinsam ist diesen Situationen:

Die soziale Einbindung bleibt nicht äußerlich, sondern wirkt auf die Bewertung der eigenen Person zurück.

5. Abgrenzung

Was ist ähnlich, aber nicht dasselbe?

Was ist ähnlich, aber nicht dasselbe?

Raum 2 – Externalisierung der Bewertungsinstanz

Bei Raum 2 werden Reaktionen anderer zu einer äußeren Referenz dafür, wie die eigene Person bewertet wird.

Bei Raum 91 ist dagegen Zugehörigkeit selbst die relevante Quelle der Selbstwertbildung.

Andere müssen die eigene Person nicht ausdrücklich loben, bestätigen oder bewerten. Bereits die Erfahrung, aufgenommen oder ausgeschlossen zu sein, kann selbstwertbezogene Bedeutung besitzen.

Äußere Bewertung ≠ Zugehörigkeit als Selbstwertquelle.

Raum 3 – Relative Selbstwertermittlung

Bei Raum 3 wird der eigene Wert anhand der relativen Position gegenüber anderen bestimmt.

Raum 91 benötigt keine Rangordnung.

Es kann vollkommen ausreichen, Teil einer relevanten Gruppe zu sein. Entscheidend ist nicht, wie gut man innerhalb der Gruppe im Vergleich dasteht, sondern ob die Zugehörigkeit selbst den eigenen Wert beeinflusst.

Raum 89 – Leistungsgebundene Selbstwertregulation

Bei Raum 89 wird Leistung zur Quelle der Selbstwertregulation.

Raum 91 betrifft dagegen soziale Zugehörigkeit.

Beide können miteinander verbunden sein – beispielsweise wenn Leistung darüber entscheidet, ob jemand in einem sozialen Zusammenhang Anerkennung oder Aufnahme erfährt. Die unmittelbare Selbstwertquelle bleibt dennoch verschieden.

Raum 88 – Selbstwertschutz durch Entwertungsvermeidung

Wenn möglicher Ausschluss den eigenen Wert bedroht, kann eine Person Situationen vermeiden, in denen diese Erfahrung eintreten könnte.

Das wäre eine mögliche Verbindung zu Raum 88.

Raum 91 beschreibt jedoch nicht die Vermeidung der Entwertung, sondern die grundlegende Kopplung von Zugehörigkeit und Selbstwert.

Soziale Verbundenheit

Auch das Bedürfnis nach Kontakt, Nähe oder sozialer Einbindung ist nicht automatisch zugehörigkeitsgebundene Selbstwertbildung.

Eine Person kann unter fehlender Verbundenheit leiden, ohne daraus abzuleiten, selbst weniger wert zu sein.

Für Raum 91 ist deshalb die Rückwirkung auf die Bewertung der eigenen Person entscheidend.

Wie Orientierung innerhalb des Phänomenzugangs entsteht

Phänomenenzugang
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Familie 1 – Selbst & innere Orientierung
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Bereich 1 – Selbstbewertung & Selbstwert
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Raum 91 – Zugehörigkeitsgebundene Selbstwertbildung
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Zwei Verweise in zwei Subtypen, sowie ein ergänzender Verweis.

7.1 Direkte Perspektivvernetzung

Eine direkte Perspektivvernetzung bedeutet, dass der betreffende Mechanismus den Phänomenkern unmittelbar aus der spezifischen Perspektive seines Systems erklärt.

CORE → Zugehörigkeitsgebundene Selbstwertbildung

CORE erklärt unmittelbar, wie soziale Zugehörigkeit zu einer Referenz für den eigenen Selbstwert werden kann, sodass Einbindung, Anerkennung oder Ausschluss über ihre soziale Bedeutung hinaus die Bewertung der eigenen Person beeinflussen.

DECISION → Identitäts- & Zugehörigkeitspassung

DECISION erklärt ergänzend, wie Handlungsoptionen bevorzugt werden können, wenn sie zu einer relevanten sozialen Zugehörigkeit passen und dadurch deren Erhalt oder Bestätigung unterstützen.