1. Einstieg
Wie bewertest und verstehst du dich selbst – und wodurch verändert sich diese Beziehung zu dir?
Menschen richten ihre Aufmerksamkeit nicht nur auf das, was um sie herum geschieht. Sie beobachten, bewerten und interpretieren auch sich selbst. Sie entwickeln Vorstellungen darüber, wer sie sind, wie wertvoll sie sich erleben, was sie können, worüber sie selbst bestimmen können und welche Bedeutung Erfahrungen für das eigene Bild von sich besitzen.
Diese Selbstbezüge können über längere Zeit relativ stabil bleiben. Sie können sich aber auch verändern – etwa im Zusammenhang mit neuen Erfahrungen, Leistung, Rückmeldung, sozialen Vergleichen, Zugehörigkeit, Erfolg, Misserfolg oder Informationen über die eigene Person.
Selbst & innere Orientierung bündelt Phänomene, bei denen deshalb nicht primär die äußere Situation, eine andere Person oder eine einzelne Handlung verstanden werden soll. Im Mittelpunkt steht die eigene Person als Gegenstand von Bewertung, Einordnung und Orientierung.
Auf dieser Seite: Definition · Gegenstandsraum · Abgrenzung · Phänomenbereiche
2. Definition
Was umfasst Selbst & innere Orientierung?
Sich selbst einzuordnen umfasst mehrere voneinander unterscheidbare Phänomene. Eine Person kann ihren eigenen Wert beurteilen. Sie kann sich als mehr oder weniger wertvoll erleben, diese Bewertung relativ stabil aufrechterhalten oder feststellen, dass sie sich durch Rückmeldungen, Vergleiche oder Leistungen verändert.
Davon unterscheidet sich die Frage nach dem eigenen Selbstbild. Hier geht es nicht primär darum, wie positiv oder negativ jemand sich bewertet, sondern darum, wer jemand für sich selbst ist: Welche Eigenschaften, Rollen, Überzeugungen oder Erfahrungen gehören zum eigenen Verständnis der Person? Was fühlt sich mit diesem Selbstbild vereinbar an – und was nicht?
Wieder anders ist die Einschätzung der eigenen Kompetenz und Wirksamkeit. Menschen entwickeln Vorstellungen darüber, was sie können, welchen Anforderungen sie gewachsen sind und in welchen Situationen sie sich als fähig oder weniger fähig erleben. Auch Kontrolle, Autonomie und Handlungsspielraum bilden einen eigenen Bezugspunkt. Hier steht im Vordergrund, wie stark eine Person erlebt, Einfluss nehmen, selbst bestimmen oder zwischen verschiedenen Möglichkeiten verfügen zu können.
Schließlich können Informationen eine besondere Bedeutung erhalten, gerade weil sie die eigene Person betreffen. Hinweise auf eigene Fehler, Leistungen, Eigenschaften oder Entscheidungen können anders wahrgenommen, gewichtet oder bewertet werden als vergleichbare Informationen ohne Selbstbezug.
Gemeinsam ist diesen Phänomenen deshalb nicht eine bestimmte Ursache oder ein bestimmter Mechanismus. Gemeinsam ist ihnen, dass die eigene Person selbst zum primären Gegenstand des Verstehens wird.
3. Gegenstandsraum
Auf welche Weise kann die eigene Person zum Bezugspunkt werden?
Die Familie umfasst fünf unterschiedliche Formen des Selbstbezugs. Sie können miteinander verbunden sein, beantworten aber jeweils eine andere Frage.
Wert – Wie wertvoll bin ich?
Die eigene Person kann Gegenstand einer Bewertung werden. Dabei kann sich Selbstwert relativ stabil anfühlen oder deutlich verändern. Rückmeldungen, Leistung, soziale Vergleiche und Zugehörigkeit können dabei in unterschiedlicher Weise mit der eigenen Bewertung verbunden sein.
→ Selbstbewertung & Selbstwert
Definition – Wer bin ich?
Menschen entwickeln Vorstellungen darüber, was sie ausmacht und was zu ihnen gehört. Solche Selbstbilder können sich bestätigen, verändern oder erweitern. Neue Erfahrungen können zu bestehenden Selbstdefinitionen passen oder mit ihnen in Spannung geraten.
→ Selbstbild, Identität & Selbstkonsistenz
Fähigkeit – Was kann ich?
Die eigene Kompetenz wird nicht in jeder Situation gleich eingeschätzt. Menschen können sich Fähigkeiten zutrauen, an ihnen zweifeln oder unterschiedlich sicher darin sein, einer bestimmten Anforderung gewachsen zu sein.
→ Kompetenz & persönliche Wirksamkeit
Handlungsspielraum – Was kann ich selbst beeinflussen?
Die eigene Situation kann als mehr oder weniger kontrollierbar und selbstbestimmt erlebt werden. Dabei kann es um unmittelbaren Einfluss, um Unabhängigkeit oder um die Frage gehen, welche Möglichkeiten überhaupt offenstehen.
→ Kontrolle, Autonomie & Handlungsspielraum
Informationsverarbeitung – Was verändert sich, wenn es um mich geht?
Informationen über die eigene Person sind nicht immer gleichbedeutend mit vergleichbaren Informationen über andere. Der Selbstbezug kann damit zusammenhängen, welche Informationen besonders auffallen, wie sie gewichtet werden und welche Bedeutung ihnen gegeben wird.
→ Selbstbezogene Informations- & Bewertungsverzerrung
4. Abgrenzung
Wann liegt die eigentliche Frage woanders?
Nicht jeder Vorgang, bei dem die eigene Person eine Rolle spielt, gehört automatisch zu Selbst & innere Orientierung.
Eine Person kann beispielsweise zwischen zwei Möglichkeiten wählen, weil eine davon besser zu ihrem Selbstbild passt. Wenn die Frage lautet, warum gerade diese Möglichkeit ausgewählt wird, kann die Entscheidung selbst der eigentliche Verständnisgegenstand sein.
Ebenso kann eine bestimmte Vorstellung über die eigene Person mit einem dauerhaft wiederkehrenden Verhalten verbunden sein. Soll erklärt werden, warum dieses Verhalten aufrechterhalten wird, liegt der Schwerpunkt möglicherweise beim Verhaltensmuster und nicht beim Selbstbild.
Auch eine Überzeugung über die eigene Person kann trotz widersprechender Informationen bestehen bleiben. Wird gefragt, warum eine vorhandene Sichtweise gegenüber neuer Information stabil bleibt, verschiebt sich der Verständnisgegenstand von der Selbstdefinition zur Stabilisierung einer Perspektive.
Ähnliches gilt für soziale Bewertungen. Wenn andere Menschen eine Person positiv oder negativ einschätzen, beschreibt das zunächst eine soziale Bewertung. Relevant für diese Familie wird die Situation dort, wo gefragt wird, wie die eigene Person sich selbst bewertet oder einordnet.
Eine konkrete Situation kann daher mehrere Phänomene gleichzeitig enthalten. Entscheidend für die Zuordnung ist nicht, welches Thema irgendwo beteiligt ist, sondern welcher Ausschnitt tatsächlich erklärt werden soll.
Nicht jeder Vorgang mit Selbstbezug gehört damit zu Selbst & innerer Orientierung. Entscheidend ist, ob die eigene Person selbst der primäre Verständnisgegenstand ist.
Wie Orientierung innerhalb des Phänomenzugangs entsteht
Phänomenenzugang
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Familie 1 – Selbst & innere Orientierung
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5 Phänomenbereiche
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35 Phänomenräume
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X Verweise in die Subtypen

5. Phänomenbereiche
Was möchtest du verstehen?
Die Familie Selbst & innere Orientierung gliedert sich in fünf Phänomenbereiche. Jeder Bereich präzisiert eine andere Form der Selbstreferenz.
5.1 Selbstbewertung & Selbstwert
Wovon hängt ab, wie wertvoll du dich selbst erlebst?
Hier geht es um Phänomene, bei denen die eigene Person hinsichtlich ihres Wertes bewertet wird. Dazu gehören unterschiedliche Formen stabiler oder veränderlicher Selbstbewertung sowie Zusammenhänge mit Rückmeldung, Vergleich, Leistung, Zugehörigkeit und anderen möglichen Bezugsgrößen der eigenen Bewertung.


5.2 Selbstbild, Identität & Selbstkonsistenz
Wer bist du für dich selbst – und was gehört zu diesem Bild?
Dieser Bereich richtet sich auf Vorstellungen über die eigene Person: darauf, wie jemand sich selbst definiert, wie Selbstbilder bestehen oder sich verändern und was geschieht, wenn Erfahrungen, Informationen oder eigenes Handeln nicht ohne Weiteres zum vorhandenen Verständnis der eigenen Person passen.
5.3 Kompetenz & persönliche Wirksamkeit
Was bestimmt, was du dir selbst zutraust?
Hier stehen Phänomene im Mittelpunkt, die mit der Einschätzung eigener Fähigkeiten verbunden sind. Es geht darum, wie kompetent eine Person sich erlebt, wie sicher oder unsicher diese Einschätzung sein kann und welche Unterschiede im Erleben der eigenen Wirksamkeit auftreten können.


5.4 Kontrolle, Autonomie & Handlungsspielraum
Wann erlebst du dich als handlungsfähig und selbstbestimmt?
Dieser Bereich umfasst Phänomene rund um Einfluss, Kontrolle, Selbstbestimmung und verfügbare Möglichkeiten. Im Mittelpunkt steht, wie groß oder klein der eigene Handlungsspielraum erlebt wird und wie sich Veränderungen dieses Spielraums auf die eigene Orientierung beziehen.
5.5 Selbstbezogene Informations- & Bewertungsverzerrung
Was verändert sich, wenn Informationen dich selbst betreffen?
Hier geht es um Phänomene, bei denen der Selbstbezug mit Unterschieden in der Auswahl, Gewichtung oder Bewertung von Informationen verbunden ist. Derselbe Hinweis kann anders verarbeitet werden, wenn er nicht irgendeinen Sachverhalt betrifft, sondern das eigene Verhalten, die eigenen Eigenschaften oder die eigene Position.

